Die Digitalisierung kann nicht mehr gestoppt werden, soviel steht fest. Gleichzeitig steigen auch die Ansprüche an Führungskräfte, deren besondere Herausforderung darin besteht, in etablierten Organisationsstrukturen neue Räume und agile Strukturen für Mitarbeiter zu schaffen. Die Bedeutung richtiger und guter Führung ist im digitalen Zeitalter wieder deutlich gestiegen. In vielen Berufsbereichen schafft die Digitalisierung der Gesellschaft nun ein Modell, in dem Berufs- und Freizeitleben zunehmend ineinander übergehen. In Organisationen werden zunehmend digitale und menschliche Agenten eingesetzt, die Kommunikations-, Steuerungs- und Koordinationsmittel gemeinsam nutzen und flache Organisationsstrukturen etablieren.

Mittlerweile gibt es zahlreiche neue Berufsgruppen: Digitale Strategen, Chief Digital Officers, Manager für digitale Engagements, Manager für digitale Finanzen, Manager für digitales Marketing und Manager für digitale Lieferketten. Wenn an Unternehmen durch Digitalisierung und Wertewandel veränderte Anforderungen gestellt werden, sind Führungskräfte gefordert, ihr Führungshandeln zu überprüfen und neu auszurichten.

Der Autor Dr. Wolfgang Saaman hat in seinen Publikationen die traditionelle Sichtweise der Unternehmenskultur durch den Begriff der Leistungskultur ergänzt. Leistung und Kultur können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Offenheit bedeutet aktive, transparente und hierarchisch unabhängige Informationsbereitstellung, Agilität schnelle und unkonventionelle Reaktion auf neue und unvorhergesehene Ereignisse und Partizipation schließlich Eigeninitiative, freiwillige Beteiligung mit überwiegend selbstorganisierter Übernahme von Verantwortung.

Die digitale Transformation wird zu tiefgreifenden Veränderungen in Geschäftsmodellen, Organisationen und Arbeitspraktiken führen. Es entstehen Wettbewerber und Geschäftsmodelle, die bisher undenkbar waren. Wertschöpfungsprozesse verändern sich radikal, neue Trends werden immer deutlicher. Schon jetzt ist klar, dass Macht nicht mehr durch eine traditionelle Hierarchie erzeugt wird. Anstelle einer klaren Organisation werden zunehmend flexible und autonome Arbeitsgruppen treten, die im herkömmlichen Sinne des Wortes keinen Chef mehr haben. Disruption nennt sich der Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein ganzer Markt durch eine wachsende Innovation komplett umgestaltet wird. Der Harvard-Ökonom Clayton Christensen hat den Begriff Disruption in seinem Werk ‘The Innovators Dilemma’ geprägt. Christensen reflektierte über Joseph Schumpeters Modell der schöpferischen Zerstörung und beschrieb den Aufstieg und Niedergang von Unternehmen als notwendigen Entwicklungsprozess.

Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang Einzug in das Management gehalten hat, ist VUCA: Die heutige Welt zeichne sich aus durch Volatilität, Ungewissheit, Komplexität, Ambiguität, vier Begriffe, deren englische Anfangsbuchstaben neue Herausforderungen an Unternehmensführung beschreiben. VUCA ist ein Akronym, das vom amerikanischen Militär verwendet wird, um extreme Bedingungen in Afghanistan und Irak zu beschreiben. Diese Terminologie findet bei einer wachsenden Zahl von Unternehmen Widerhall, um den sich ständig wandelnden Herausforderungen von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gerecht zu werden. Es trägt dazu bei systemische Fehler und Verhaltensfehler, die charakteristisch für organisatorisches Versagen sind, zu finden und zu diskutieren.

Eine Methode, den Anforderungen der Digitalisierung zu begegnen, ist der Begriff der Agilität. Agilität ist die Fähigkeit einer Organisation, in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit flexibel, aktiv, anpassungsfähig und proaktiv zu sein. Das Konzept stammt aus der Produktionsbranche und hat sich als Reaktion auf die Langsamkeit und Bürokratie der Organisationen manifestiert, um sich den sich ändernden Marktbedingungen anzupassen. Agile Methoden, die verstärkt in der Softwareentwicklung zum Einsatz kommen, beinhalten zeitweise hohe Veränderungsgeschwindigkeiten.

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