Können Unternehmen surfen?

Auf der Startseite unserer Wesbsite sieht man eine Person auf einem Surfbrett. Warum eigentlich?

Also, Achtung, wir reden hier über Metaphern. Wir haben nichts gegen Züge und wir können auch nicht wirklich surfen. Vergleiche hinken, die folgenden vielleicht mit beiden Beinen, also bitte keine Belehrungen über Gleise und Wellen und die Beobachtung, dass Surfen nun wirklich kein Team-Sport ist. Aber der Reihe nach.

Als Relikt der Industrialisierung gibt es noch heute die Geisteshaltung, ein Unternehmen könnte wie eine Lokomotive sein. Technisch ausgeklügelt, stark und verlässlich. Das sind gute Tugenden für Unternehmen – keine Frage. Die ebenfalls ausgeklügelten Prozesse wären dann vielleicht die Gleise. Akkurat verlegt, keine zu engen Kurven oder zu steilen Steigungen.

Das kann auch in Teilen immer noch gültig sein, aber an Unternehmen werden auch neue Anforderungen gestellt. Leicht, wendig, blitzschnell anpassungsfähig. Nicht unbedingt die Attribute einer Lokomotive, die schon mit einem Feldweg überfordert wäre.

Wenn Unternehmen früher also nur eine Lok sein mussten, dann müssen sie heute also in Teilen ein Surfbrett sein. Unterschiedlicher können Fortbewegungsmittel kaum sein, oder? Plötzlich geht es nicht nur um das technisch korrekte „Bedienen“ der großen Unternehmensmaschine. Im Führerstand stehen und Instrumente ablesen reicht nicht mehr. Es braucht echte Könnerschaft, eine Symbiose zwischen Mensch und Gerät.

Ein Surfbrett mit einer talentierten Surferin ist zunächst mal in Lauer-Haltung für die nächste Welle. Dann entschlussfreudig und entschlossen und im richtigen Moment sprungbereit. Auf dem Brett gut ausbalanciert, im Einklang mit den Kräften um sie herum. In der Chaos-Forschung ist das Brechen einer Welle immer wieder gern zitiertes Beispiel für Bewegungen, die sich nicht prognostizieren lassen. Mehr Komplexität geht kaum. Man kann aber eben aus Wellen keine Schienen machen. Komplexität kann man nicht reduzieren oder nivellieren, man kann sie nur – nun ja, surfen. Dabei nutzt man die eigene Fähigkeit zur Komplexität: Bewegungen erahnen, Intuition nutzen. Unterhaltet euch mal mit echten Surfern. Da fallen noch ganz andere Begriffe aus der gefürchteten emotionalen, fast schon spirituellen Ecke. Wenn wir hier also das Bild einer surfenden Person benutzen, um unsere Beratungs- und Weiterbildungs-Angebote zu illustrieren, dann meinen wir damit, dass viele Unternehmen noch surfen lernen sollten.

Das Bild gefällt uns auch sonst ganz gut, denn spätestens seit der Veröffentlichung des Buches „Reinventing Organizations“ von Frederic Laloux gilt die Farbe Türkis als Symbol eines (noch nicht erreichten) Reifegrads von Menschen und Organisationen, der über Selbstorganisation, Ganzheit und Purpose definiert ist.
Diese Farbe wird im Englischen „teal“ genannt, und zwar weil die “Common Teal”, die Krickente die Farbe am Kopf aufweist. Außerdem kommen die auch gut mit Wellen klar. Just kidding.
Das Türkis des Meeres in unserem Bild steht also nicht für Urlaubs-Sehnsucht, sondern für die Sehnsucht nach Unternehmen, in denen Menschen sich eben nicht mehr vor lauter Frustration oder Resignation nur noch nach dem Feierabend, dem Wochenende, dem Urlaub oder dem Ruhestand sehnen.

Das Türkis ist deswegen auch unsere Unternehmens-Farbe.
Das Foto passt also wunderbar in unsere CI-Welt.

Und dann kann man auch noch das systemische Prinzip des Perspektiv-Wechsels in das Foto hineindeuten:

Klar, surft der Surfer aus der brechenden Welle heraus. Aber mit ein bisschen Fantasie, kann man das Bild auch kippen lassen und sich vorstellen, man würde den Surfer von hinten sehen, wie er in die Welle hinein surft. Dass das nicht geht, ist klar, aber hat es wenigsten schon mal jemand geschafft, beim Surfen rückwärts auf dem Brett zu stehen? Unser Verstand spielt uns allerlei Streiche. Optische Täuschungen und Vexierbilder sind nur ein kleiner Einblick in die Welt der kognitiven Verzerrungen (cognitive bias), die auch im Kontext von Leadership keine unwesentliche Rolle spielen.

Last but not least ist unser Key Visual ein Transporteur der Frage: Wann hast Du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Muss ja nicht gleich rückwärts sein.

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